Im Silicon Valley gehören Hypes quasi zum Alltag, aber selbst hier ließ der rasante Erfolg von „Slack“ aus San Francisco einige Kinnladen herunterklappen. Das Startup hat einen Nerv getroffen: Es erleichtert die Kommunikation von Teams und will im selben Atemzug mehrere Tools in Rente schicken. Das Featureset sowie eine generell gelungene Umsetzung machen es aus.

Wie Informationsaustausch und Kommunikation in einem Unternehmen organisiert sind, bestimmt ganz wesentlich dessen Effizienz mit. Darüber hinaus beeinflusst es das Betriebsklima: Ist es eine Last oder eine Lust, sich mit den Kollegen auszutauschen, sich über Projekte und die nächsten Schritte abzustimmen.

Oftmals findet man in Büros einen Strauß an Tools vor, die für die tägliche Arbeit gebraucht werden. Sie leisten jeweils gute Dienste für ihren speziellen Zweck. Aber sie arbeiten in der Regel nicht oder nur schlecht zusammen. Und etwas wiederzufinden ist dann eine frustrierende Aufgabe.

Das Startup Slack aus San Francisco versucht, diese Aufgaben unter einem Dach zu vereinen. Andere haben das vorher bereits versucht, einige gar mit nennenswertem Erfolg. Aber Slack hat einen Blitzstart hingelegt.

Aus Versehen erfolgreich

Interessanterweise ist Slack als Nebenprodukt entstanden. Stewart Butterfield ist einer der Köpfe dahinter und hat bereits eine verblüffend ähnliche Erfolgsgeschichte in seinem Lebenslauf stehen: Eigentlich arbeitete er 2002 an einer Idee für ein neuartiges Computerspiel, das sich aber nicht finanzieren ließ. Ein Seitenprojekt wurde zum Überraschungshit: die Fotocommunity Flickr. 2011 arbeitet Butterfield dann erneut an seiner Spieleidee und diesmal wurde es sogar veröffentlicht – floppte allerdings. Aber erneut war es ein Seitenprojekt, das stattdessen zum Erfolg wurde: Slack.

Slack entstand als Werkzeug, um die interne Kommunikation zu vereinfachen. Ursprünglich nutzte das Team IRC. Sie ergänzten diesen Chat um automatisch eingespeiste Informationen zum Beispiel über Entwicklungsschritte für das Spiel. Bald erwies sich das als so nützlich, dass sie eine eigene Plattform dafür schufen. Und schließlich stellte das Team fest: Wir wollen nie wieder irgendwo ohne dieses Werkzeug arbeiten müssen. Also setzten sie sich daran, es zu einer öffentlichen Version weiterzuentwickeln.

Was aber macht Slack so erfolgreich, dass inzwischen erste Unternehmen es in ihren Stellenanzeigen als „Mitarbeiterbonus“ aufführen? Wie kommt es, dass die Nutzer Slack in den Unternehmen einführen, anstatt dass Unternehmen es bei ihren Mitarbeitern durchsetzen müssen?

Funktionen von Slack

Auf Medium.com kann man die Marketingstrategie hinter Slack nachlesen. Das Startup hat dort ein internes Memo gepostet, das zwei Wochen vor der öffentlichen Testphase herumging.

Slacks Idee scheint zum einen vertraut, weil es interne Chat-Anwendungen natürlich schon mehrere gibt. Aber es leistet im Alltag doch einiges mehr und lässt sich so einfach bedienen, dass es für viele offenbar den entscheidenden Unterschied ausmacht.

Eine kurze Übersicht:

Letztlich kann man Slack auf die Formel reduzieren: Chat + Integrationen. Aber das ist nicht alles. Wie man im oben verlinkten Medium-Beitrag nachlesen kann, investiert das Slack-Team viel Arbeit in die Verfeinerung des Nutzungserlebnisses. Sie versuchen alle Ecken und Kanten zu finden und abzuschleifen. Sie gehen dabei davon aus, dass der fragliche Nutzer überhaupt gar kein Interesse hat, ein neues Tool kennen zu lernen – schließlich gibt es in Unternehmen wie oben beschrieben bereits ein Set von Diensten und Werkzeugen.

Diese Mühe macht sich schnell bemerkbar. Ein freundlicher „Slackbot“ hilft beispielsweise in einem Chat-Dialog, den eigenen Account einzurichten. Allein das fühlt sich viel sympathischer und einfacher an, als ein schnödes Formular auszufüllen. Und solche Beispiele finden sich auch an anderen Stellen. Das Angebot hat viele nützliche Abkürzungen eingebaut. 11 Tips finden sich beispielsweise in diesem Artikel auf Medium.com.

Der Rest des Erfolgs bleibt wohl ein Mysterium. Nicht einmal Stewart Butterfield selbst kann im Interview mit Fortune beispielsweise erklären, warum Slack so viel besser angenommen wird als Atlassians HipChat, obwohl beide Angebote sehr ähnliche Funktionen haben.

Der natürliche Feind der E-Mail

Generell lässt sich festhalten, dass Slack die Zahl der E-Mails dramatisch reduziert und außerdem einen Messenger für die interne Kommunikation überflüssig machen kann, Aktivitäten bei anderen Cloud-Diensten an einer Stelle zentral zusammenführt und zudem Diskussionen jederzeit wiederauffindbar macht – auch wenn die sich um Dokumente drehen, die man hochgeladen hat.

Diese Kombination aus Features verbunden mit einer allgemein gelungenen Benutzerführung machen den rasanten Erfolg von Slack nachvollziehbar.

Den passenden Tarif wählen

Natürlich will Slack Geld verdienen und das soll nach dem bekannt-bewährten „Freemium“-Modell funktionieren: Es gibt einen gut nutzbaren kostenlosen Account und für größere Bedürfnisse dann kostenpflichtige Varianten mit weiteren Funktionen. Das sieht aktuell wie folgt aus:

Mit der kostenlosen Version kann man schon eine ganze Menge anstellen und man wird erst mit der Zeit an die Grenzen stoßen. Vor allem, dass ältere Beiträge irgendwann nicht mehr auffindbar sind, kann sich bemerkbar machen – sofern man viele Nutzer hat, die viel schreiben.

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